Leonhard Christoph Sturm im Netzwerk der frühneuzeitlichen Gelehrsamkeit

Der Theologe und Mathematiker Leonhard Christoph Sturm (1669–1719) kam 1694 nach Wolfenbüttel und blieb acht Jahre. Als Professor matheseos publicus unterrichtete er an der Ritterakademie den adligen Nachwuchs und veröffentlichte Werke zur Architektur und Mathematik, später kamen Schriften zu theologischen Fragen dazu. Das MWW-Projekt „Intellektuelle Netzwerke“ rekonstruiert die intellektuelle und berufliche Prägung Sturms, das Quellenmaterial stellt die Koordinaten für Sturms Profilfeld.

Digitale Lehre Germanistik

Als zentrale Anlaufstelle für alle Angehörigen der germanistischen Fachgemeinschaft bietet das Portal Digitale Lehre Germanistik Anregungen und Hilfestellungen für die Praxis der digitalen Hochschullehre. Unter den Bedingungen der eiligen Umstellung auf die online-Lehre im Sommersemester 2020 entstand die Plattform in einer Kooperation von über 20 Germanist*innen aus Deutschland, England, Belgien und den Niederlanden. Das Portal ist ein „Work in Progress“ und setzt zentral auf die aktive Beteiligung registrierter Nutzer*innen.

Goethe digital. Eine Autorenbibliothek als Sammlungsraum.

Welche Bücher besaß Goethe und welche lieh er aus? Welche las er und wie hat er mit ihnen gearbeitet?

Diese Fragen erforscht Goethe digital. Eine Autorenbibliothek als Sammlungsraum. In seinem LAB präsentiert das Projekt seine Forschung zur Zusammensetzung und Geschichte der Büchersammlung. Der digitale Katalog Goethe Bibliothek Online macht Daten von mehr als 11.000 Bänden zugänglich.

Dazu kommen ausgewählte Digitalisate und historische Kataloge. Interaktive Visualisierungen eröffnen den Blick auf Goethes persönliche Netzwerke und das Nachleben seiner Bibliothek in den Weimarer Institutionen.

Frühneuzeitliche Gelehrtenbibliotheken

In der Frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) besaßen viele Gelehrte eigene Bibliotheken.

Nach ihrem Tod wurden sie oft veräußert und in alle Winde zerstreut. Erhalten sind indes Auktionskataloge und andere Bestandsverzeichnisse. Wie Fernrohre lassen sie die Profile der Sammlungen erkennbar werden, sie sind Indizien für die Lese- und Forschungsinteressen, die Leidenschaften und möglichen Netzwerke der Bibliotheksbesitzer, zudem für die Verkaufs- und Preisroutinen. Aus dem einzigartigen Materialfundus der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel wird ein repräsentatives Korpus von aussagekräftigen Exemplaren ausgewählt.

Die Leitfragen lauten: Welche Rückschlüsse lassen die überlieferten Titel auf den Besitzer der Bücher zu? Welche Bücher waren populär, welche Themen prominent? Was war Bestandteil des Wissens zu einer bestimmten Zeit, was kann folglich im Bereich des Nicht-Wissens vermutet werden? Projektziel ist die bibliographisch und sachsystematisch genaue Erschließung der Kataloge, die elektronische Edition flankierender Quellen, die Diskussion übergreifender wissenschaftsgeschichtlicher Fragen sowie die Darstellung und Recherchierbarkeit der Kataloge und Titel in einer Datenbank.

Produktion und Rezeption des Psalters (ca. 1450–1700)

Als weit verbreiteter und genutzter kanonischer Text des Christentums gehörte der Psalter zu den ersten Werken, die mit Gutenbergs Typendruckverfahren vervielfältigt wurden.

Seine Druckauflagen nahmen stetig zu, insbesondere während und nach den explosiven Jahren der Reformation. Aufgrund der Bedeutung, die der Psalter für die Geschichte und Gestaltung der Christlichen Liturgie spielt, gibt es sehr viel Forschungsliteratur zum Thema. 

Mit den methodischen und epistemologischen Konzepten, wie sie die Paratext-Forschung und Buchgeschichte in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, wird das Projekt die semantischen und materiellen Schnittstellen zwischen Text und Rahmen untersuchen, wie sie sich anhand von ca. 700 Exemplaren der vielen Auflagen und Nachdrucke des Psalters zeigen, die – gedruckt zwischen 1475 und 1700 – sich heute in der einzigartigen Rara-Sammlung der Herzog August Bibliothek befinden.